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Langhansarchiv: Geschichte

Das Haus Langhans diente keinem anderen Zweck als dem der Fotografie: Von 1880 bis 1948 wirkte hier das Atelier J.F. Langhans, nach seiner Verstaatlichung hatte hier die Genossenschaft Fotografia »»»

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Langhansarchiv: Geschichte

Das Haus Langhans diente keinem anderen Zweck als dem der Fotografie: Von 1880 bis 1948 wirkte hier das Atelier J.F. Langhans, nach seiner Verstaatlichung hatte hier die Genossenschaft Fotografia ihren Sitz. In der zweiten Hälfte der 90-er Jahre erfuhr das Haus auf Initiative der Nachkommen von Jan Langhans eine Rekonstruktion und erhielt einen Anbau; dann wurde hier als nichtkommerzielle Kulturinstitution die Langhans Galerie Praha gegründet. Seit 2002 ist in den Geschäftsräumen des Hauses das Fotogeschäft FotoŠkoda eingemietet.

Die Familienfirma gründete Jan Langhans, der Lebensmittelchemie studiert hatte, jedoch bald dem Zauber der Fotografie verfiel. 1878 eröffnete er sein erstes Atelier, und binnen dreissig Jahren wurde er zu einem der wichtigsten Porträt-Fotografen Böhmens.

Zu seinen unzähligen Kunden gehörten führende Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft, Handel und Politik; auch kamen viele Adlige, um sich von Langhans porträtieren zu lassen. Aus diesen Porträts, die Bestandteil seines gigantischen Archivs waren, entstand die "Galerie der Persönlichkeiten",.eine Kollektion von Fotografien, welche die damalige Gesellschaft spiegelt. Das Atelier Langhans genoss sowohl in der Zeit, da Böhmen zur österreich-ungarischen Monarchie gehörte, als auch später, nach Gründung des unabhängigen tschechoslowakischen Staates, internationales Ansehen.

Nach dem Ersten Weltkrieg -- das Archiv zählte schon über eine Million Negative --, übergab Jan Langhans den Betrieb seiner Tochter und ihrem Mann, Viktor Meisner. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm deren Sohn Viktor Meisner als dritter Inhaber das Fotoatelier. 1948 wurde das Atelier J.F. Langhans verstaatlicht. Das Archiv, welches inzwischen auf zweieinhalb Millionen Fotonegative angewachsen war, wurde auf eine Schutthalde ausserhalb Prags gekarrt und vernichtet. Ein Monument von nationaler Bedeutung war mit einem Mal nichts als ein riesiger Glasscherbenhaufen. Von der siebzigjährigen Geschichte des Langhans-Ateliers blieben gerade noch zwei Schachteln mit Erinnerungsgegenständen übrig.

1991 ging das Haus im Rahmen der Restitution wieder in Familienbesitz über. Bei den Vorbereitungen zur Hausrenovation im September 1998 stiessen Arbeiter auf einen verschlossenen Schrank. Sie öffneten ihn und fanden darin drei Hundert Schachteln mit Glasnegativen. Dieser Schatz war der kommunistischen Säuberung der Fünfzigerjahre entgangen und blieb im Keller unbemerkt mehr als ein halbes Jahrhundert verborgen. Es handelte sich um einen Teil der einzigartigen Sammlung "Galerie der Persönlichkeiten", eines kulturellen Erbes, das seit 1948 als für immer vernichtet gegolten hatte.

Es fanden sich darunter die Negative von Porträts des ersten tschechoslowakischen Präsidenten T.G. Masaryk aus dem Jahre 1910; von der jungen Opernsängerin Ema Destinnová (1895), des späteren Bühnenstars der Metropolitan Opera; von den bedeutendsten Schauspielern des Prager Nationaltheaters aus der Zeit der Jahrhundertwende; vom Ministerpräsidenten; von Bürgermeistern, Unternehmern und Schriftstellern. Ferner Porträts vieler ausländischer Persönlichkeiten, die Böhmen besuchten oder hier lebten (zum Beispiel der Schriftsteller und Diplomat Paul Claudel, Kaiser Karl I oder Philippe Herzog von Orleans). Diese Aufnahmen legen Zeugnis ab von der gesamteuropäischen Bedeutung Böhmens damals.

Eine erste repräsentative Auswahl aus diesen Negativen traf der Fotograf Ivan Lutterer (1954-2001). Die Abzüge, die er anfertigte, wurden erstmals im Frühjahr 200 in der Prager Galerie Rudolfinum ausgestellt. Und als erwachte der energische Geist Jan Langhans' zu neuem Leben, kamen im Juni desselben Jahres in einem weiteren Kellergewölbe noch einmal 200 Schachteln mit Negativen zum Vorschein, auch sie Teile der "Galerie der Persönlichkeiten".

Die neun Tausend Glasnegative der "Galerie der Persönlichkeiten" wurden der Stiftung Langhans Praha in Obhut gegeben. Damit bleibt das wieder gefundene Archiv auch späteren Generationen in seiner Ganzheit erhalten.

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